Die Geschichte der Firma Thiele

 

Private Kraftfahrschule von Wilhelm Frank – ca. 1930, zwischen den Hanomag-Fahrzeugen v. l. n. r. Unternehmer Wilhelm Frank, Fahrer Gerlach, unb., der 1. Fahrer Herr Funke und Hannes Schulte

Ursprung des Unternehmens war die „Private Kraftfahrschule – Autover- mietung und Reparaturen“ von Wilhelm Frank (Großvater des heutigen Geschäftsführers: Stefan Thiele) in der Bahnhofstraße von Niedermarsberg.

Wilhelm Frank, Vater von Christine Thiele, geb. Frank, stammte ursprünglich aus Bad Hersfeld. Aufgrund seiner Militärzeit bei der Fliegerstaffel kam er nach Flensburg und lernte Anna Schilling, seine spätere Frau, in Ellund – einem Ort in Schleswig in der Nähe der dänischen Grenze – kennen. Dort hatte er zusammen mit seinem Schwager eine kleine Fabrik. Sie bauten und reparierten Motorräder. Sie waren begnadete Tüftler und Techniker.

Wilhelm Frank – samt Familie (Frau Anna Frank, geb. Schilling, und die Töchter: Luise, Christine und Rosemarie Frank) – ist aufgrund einer Stellenanzeige dann nach Niedermarsberg gezogen. Dort war die Position eines Fahrlehrers zu besetzen. Das Ganze geschah im Jahr 1926. Die damalige Fahrschule befand sich in der Bahnhofstraße von Niedermarsberg. Der Zugang zum Unternehmen bestand allerdings über die Wilhelmstraße, heute Hauptstraße, zwischen der heutigen LVM-Versicherung Engelbertz und Betten Runte.

In den Anfangsjahren standen dem Fahrlehrer Frank 3 Fahrzeuge – vorwiegend der Marke Hanomag – zur Verfügung. Wilhelm Frank war als Autospezialist auch ein guter PKW-Monteur, der seine Fahrzeuge selbständig wartete und reparierte. Die private Kraftfahrschule Frank trug in ihrem Firmenlogo sämtliche angebotenen Dienstleistungen. Hierzu gehörten die Autovermietung und Reparaturwerkstatt. Neben der Vermietung von Automobilen und Motorrädern konnte Wilhelm Frank auch als Adler- und Triumph-Vertretung firmieren. Bis 1939 führte er das Unternehmen. In diesem Jahr, dem Beginn des II. Weltkriegs, wurde er zum Kriegsdienst herangezogen. Seine Frau Anna Frank, geborene Schilling, und Tochter Christine mussten den Betrieb, nun in der Adolf-Hitler-Straße 16 in Niedermarsberg (vorher Wilhelmstraße, heutige Hauptstraße), alleine weiterführen. Die 16-jährige Christine Frank hatte hierfür eigens den Führerschein mit Alterssondergenehmigung erworben. Mutter und Tochter Frank steuerten den Betrieb durch die Kriegsjahre bis 1942. Dann kam der Betrieb größtenteils zum Erliegen, da durch die Wehrmacht sämtliche Fahrzeuge und Werkzeuge konfisziert wurden. Nach dem Krieg, von 1945 bis zum Tod von Wilhelm Frank in 1947, lief die Fahrschule Frank aufgrund der Nachwirkungen der Kriegswirren auf „Sparflamme“.

Das Firmenlogo aus 1943

 

1953 – Fahrt nach Langenthonhausen, v. l. n. r. Johanna Thiele, Albert Thiele, Peter und Christine Thiele, sowie Wilhelm Koch

Am 29.01.1948 heiratete Christine Frank den Peter Thiele. Sie wohnten damals zusammen mit Christine Thiele ihrer Mutter: Anna Frank und Schwester: Rosemarie Frank in der Bahnhofstraße in Niedermarsberg bei Kohlen-Kloke zu Miete. Christine und Peter Thiele überlegten, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollten. Mit viel Mut und Lebensfreude kamen sie auf die Idee, die alte Konzession von Wilhelm Frank zu nutzen. In 1948 erfolgte die offizielle Gründung der Firma Peter Thiele als reines Transportunternehmen ( Autover-mietung und Taxigeschäft ). Der alte „Adler“, der ohne Reifen vor dem Wohngebäude stand, sollte als erstes Firmenfahrzeug dienen. Peter Thiele absolvierte im Februar 1948 seine Führerscheinprüfung. Mit zwei Schinken aus eigener Hausschlachtung und einer Bohrmaschine fuhr er nach Kassel und tauschte dort diese gegen vier schlechte Wagenreifen für den alten Adler. Nach einigen Wochen wurde der Adler aufgrund seines miserablen Zustands gegen einen DKW-Sonderklasse eingehandelt. 1949 erwarben Christine und Peter Thiele einen VW-Export. Der DKW wurde verkauft, da er zu spritfressend war. Nach zwei Jahren harter Arbeit konnten sie sich das erste nagelneue Taxi, einen VW-Käfer, leisten. „Endlich ein Auto, das sofort ansprang und auch an blieb!“ (Originalzitat von Peter Thiele) In 1950 fuhren Christine und Peter Thiele nach Wolfsburg. Vom dortigen VW-Werk kauften sie einen Bulli – der Erste im gesamten Kreis Brilon.

Werbeannonce aus der Zeit um 1970

Die Busfahrten mit dem singenden Peter Thiele waren so beliebt, dass sich schnell eine große Fangemeinschaft bildete. In ganz Europa fuhr er – in all den Jahren unfallfrei – Ausflügler an verschiedenste Ziele. Ob Kegeltouren oder die berüchtigten Wallfahrten ins belgische Banneux – Peter Thiele wurde geschätzt und war sehr beliebt, was auch die steigenden Kundenzahlen belegten. Seine Frau Christine arbeitete verantwortungsvoll in der Firmenbuchhaltung.

Nach Aussage einer Frau aus Madfeld wollten die hiesigen katholischen Frauen sogar eine beim Transportunternehmen Peter Thiele angedachte Reise gänzlich, kurzfristig absagen, da der Firmeninhaber krankheitsbedingt einen Ersatzfahrer schicken wollte. Die Fahrt wurde um drei Tage verschoben und fand mit dem genesenen Peter Thiele vollzählig an einem Wochentag (Dienstag) statt. Er wurde mit den Worten: „Peter, endlich geht es Dir besser, wir fahren nicht ohne Dich los!“ begrüßt.

Neue Straße (heute: Dr.-Rentzing-Straße): ein Teil der damaligen Fahrzeugflotte, Ende der 1950er Jahre

1952 kaufte die Firma Thiele ihren ersten Mercedes, einen 170 D. 1953 erweiterte man den Betrieb um ein zusätzlichen tundragrünen Mercedes 180 D. Außerdem erwarb Peter Thiele das Haus mit der Nummer 1 in der Neuen Straße von Niedermarsberg von Julius Bunse im Jahr 1952, da die alte Wohnung in der Bahnhofstraße aufgrund des Kindernachwuchses zu klein wurde. 1954 absolvierte Peter Thiele erfolgreich die Führerscheinprüfungen der Klasse 1 und 2. Der Betrieb florierte immer besser, so dass 1955 der erste Kleinbus mit 17 Plätzen zu dem bestehenden Fuhrpark angeschafft wurde. 1956 fiel das Pferd des städtischen Leichenbestatters während einer Beerdigung in Niedermarsberg tot um. Dieses hatte bis dahin den Leichenkutschwagen gezogen. Peter Thiele schaffte sich daraufhin seinen ersten Bestattungsanhänger an. In 1957 erwarb er das Nachbargebäude in der Neuen Straße 3. Dort richtete er ab 1960 sein Bestattungshaus ein, das seit 1962 besteht.

Im Jahr 1960 wurde der Sprechfunk in die firmeneigenen Taxis eingebaut. Diese neue Verständigungsmöglichkeit zwischen der Zentrale und den Fahrern erleichterte die Fahrtenkoordination erheblich. Die Funkantenne wurde seinerzeit im Alten Rathaus von Obermarsberg, das zu diesem Zeitpunkt dem Bruder von Peter Thiele: August Wilhelm Thiele gehörte, untergebracht. In 1962 kauften die Unternehmer Thiele einen nagelneuen roten Nizza-Bus. Die Fahrer und Angestellten der Firma pflegten von jeher zur Familie Thiele immer ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Sie waren fester Bestandteil bei den Familienfeiern, aber auch in ihrer Freizeit kamen sie auf eine Tasse Kaffee und ein nettes Gespräch gerne vorbei.

1967 – Der firmeneigene Mercedes-Pullmann beim Bahnhof in Niedermarsberg

1964 fügte man – für die damalige Zeit in Marsberg eine kleine Sensation – die Langversion des Mercedes Pullmann mit 7 Sitzplätzen in den großen Firmenfuhrpark ein.

1968 qualifizierte sich das Unternehmen Thiele für Krankentransporte. 1972 legte Peter Thiele erfolgreich seine Ausbildung zum Rettungssanitäter ab. Außerdem schaffte er den ersten neuen Krankentransportwagen an. Im Jahr 1978 bestand er die Prüfung zum „Fachgeprüften Bestatter“. Einen eigenen Bestattungswagen legte sich die Firma daraufhin zu.

1983 verkaufte die Firma Thiele ihren letzten Bus an die Firma Borauke in Paderborn. Auch die hauseigene Tankanlage wurde aufgegeben. Seit 1989 erfolgte verstärkt der Ausbau der Firma zum Krankentransportunternehmen. 1994 gründete man die Thiele Krankentransporte GmbH aufgrund gesetzlicher Änderungen in der Lizenzvererbung. Im Januar 1996 wurde Stefan Thiele mit der Unternehmensführung betraut. Die Firma spezialisierte sich fortan auf Krankenfahrten. Stefan Thiele und Frau Dagmar Thiele, geb. Hammer, sind die derzeitigen Eigentümer von Krankentransporte und Bestattungen Thiele in der Dr.-Rentzing-Straße 1 und 3 in Niedermarsberg.


Quelle:

Das Geschichts- und Stammbuch der Familie Thiele, erhältlich unter:
www.Marsberger-Geschichten.de